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sarah_daum

Wurmkompost in der Innenstadt

Praktische Tipps für urbane Stoffkreisläufe
Zusammenfassung

Wie starte ich einen Wurmkompost zu Hause auf Terrasse oder Balkon?

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Autorin: Johanna Saxler

Früher dachte ich immer, dass ich erst in einem eigenen Haus mit großem Garten im idyllischen Freiburger Umland leben müsste, um meinen eigenen Gemüsegarten anzulegen und ich habe es lange als Traum vor mir hergeschoben. Aber wer weiß, wann und ob ich überhaupt jemals diese „perfekten“ Umstände zum Anlegen eines Gartens haben werde?! Darauf zu warten war eine bequeme Ausrede und so beschloss ich in diesem Frühjahr, das Gärtnern auf unserer WG-Terrasse mitten in der Freiburger Innenstadt zu beginnen.

Ein paar Hochbeete aus alten Holzplatten und Paletten waren schnell zusammengebaut, diverse Blumentöpfe waren ebenfalls einfach zusammengesammelt aus Geschenk-Kisten in der Stadt oder bei Freunden und Familie. Doch dann standen wir vor der wohl größten Herausforderung: Wie kommt nun fruchtbarer Boden auf unsere Terrasse mitten in der Beton- und Pflaster-Landschaft der Innenstadt?! Fruchtbarer Boden ist ein knappes und wertvolles Gut und wir wollten ihn nicht dem Bauer vom Acker stehlen oder den Bäumen im Wald den Boden unter ihren Füßen wegnehmen. Aber Blumenerde aus dem Baumarkt, in Tüten verpackt und am besten noch mit Torf versetzt, für dessen Abbau Moore trockengelegt werden müssen, zu kaufen, kam mir auch nicht gut vor.

Zum Starten musste zunächst eine Kompromiss-Lösung her, aber nach einiger Recherche kam ich dann auf die langfristige Lösung: Eine Wurmkompost-Kiste für die Terrasse!

So werden für unsere WG nämlich gleich drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen:

1. Unser nährstoffreicher WG-Bioabfall landet nicht zwischen Staubsaugerbeutel und kaputter Glühbirne im Restmüll, sondern kann nun zu wertvoller Humus-Erde umgewandelt werden. (Hierzu sei kurz erwähnt, dass im grünen Freiburg Restmüll und Biomüll in der Altstadt nicht getrennt werden. Ein Problem, das eigentlich auf politischer Ebene nochmal überdacht werden sollte, aber das auch jeder selbst schon mal über einen eigenen Kompost angehen kann.)

2. Der Humus liefert uns die perfekte Wachstumsgrundlage für leckeres Obst, Gemüse und Kräuter in unserem Terrassengarten.

3. Und ich erfreue mich täglich an einer Schar zufriedener, unkomplizierter Haustiere, deren Haltung trotz Innenstadt-Lage unserer Wohnung völlig problemlos möglich ist.

Und so geht’s: Es gibt endlose Möglichkeiten für die Gestaltung einer Wurmkiste. Es gibt viele Anbieter im Internet, die fertige Sets verkaufen, aber so eine Kiste ist auch schnell selbst zusammengebaut. Ich habe mir letztlich im Baumarkt für wenig Geld ein paar Plastik-Kisten geholt, die Böden durchlöchert und sie aufeinandergestapelt. Die Bewohner der Kiste habe ich zunächst auf diversen Äckern zusammengesammelt, aber da kleine Kompostwürmer den Biomüll deutlich schneller und effektiver verarbeiten können, habe ich davon dann nochmal 500 fleißige Kompostproduzenten im Internet bestellt. Sie wohnen nun alle gemeinsam in unserer Wurmkiste und werden täglich mit den Obst- und Gemüseresten der WG gefüttert. Das Ergebnis schon nach wenigen Monaten: traumhafter Humus, der die Pflanzen unserer Terrasse nährt und somit ein kleiner geschlossener Nährstoffkreislauf mitten in der Stadt.

Dieser Beitrag soll nur einen kleinen, sehr groben Einblick in das Starten und Pflegen eines Wurmkomposts geben und dazu ermutigen, es anzupacken. Es gibt natürlich noch einige Details, die man beachten sollte, aber informiert euch am besten einfach selbst. Ich persönlich habe viele hilfreiche Tipps von einem kleinen österreichischen Wurmkisten-Unternehmen: https://wurmkiste.at/

Die Autorin Johanna Saxler lebt seit vielen Jahren in der Freiburger Innenstadt und ist begeistert vom Engagement des Ernährungsrats und des Projekts Essbare Stadt. Es sind tolle Konzepte, welche die wichtigen Themen Ernährung und Landwirtschaft in die Stadt bringen und Freiburg so noch lebenswerter machen.
Johanna arbeitet bei der Regionalwert AG Freiburg und engagiert sich dort für die Wertschätzung von Nachhaltigkeitsleistungen der Landwirtschaft.

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Zuletzt geändert
03.11.20, 12:07